Schlaf vermessen

An der Station "Schlaf vermessen" testete Jaromir Gerhardt den Sleepscore der Besuchenden. Den in einer Kabine auf einem Computer durchgeführten Test und die auf den Außenwänden präsentierten Hintergründe hatte er im Rahmen des Schlafseminars im Sommersemester erarbeitet.


Jaromir Gerhardt vor der Station Schlaf vermessen. Foto: Cora Kunz

Stationstext:

Seitdem es das EEG in den 1920er Jahren erlaubte, Hirnströme sichtbar zu machen, wurde der Schlaf zunehmend quantifiziert. Aus einem dunklen, privaten Zustand wurden Kurven, Phasen und Datenreihen. Schlaf wurde lesbar, gliederbar, in Stufen zerlegbar.

Im Schlaflabor etablierte sich in den 1960er Jahren die Polysomnographie als Goldstandard. Sie zeichnet Hirnströme, Augenbewegungen, Muskelspannung, Herzschlag und Atmung parallel auf und verdichtet so eine ganze Nacht zu einem detaillierten Datenbild.

Schlaflabore gibt es heute auch in geschrumpfter Form zu kaufen, etwa fürs Handgelenk: Eine Smartwatch misst allerdings keine Hirnströme, sondern schätzt den Schlaf u.a. aus Bewegung und Puls. Dabei entstehen sogenannte "Sleepscores". So wird die Erholung zur messbaren Leistung und der Schlaf, so eine kritische Lesart, zu einem der letzten unproduktiven Bereiche des Lebens, der vereinnahmt werden soll.

Welchen Sleepscore haben Sie? Schlafen Sie noch oder scoren Sie schon?

 

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