Sammlungstagung 2026
(Wieder)Instandsetzung: Modifizierendes Bewahren als Sammlungspraxis
Die 17. Jahrestagung für Universitätssammlungen findet vom 10. bis 12. September 2026 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) statt. Sie wird gemeinsam von der Kustodie der OVGU und der Gesellschaft für Universitätssammlungen e. V. (GfU) veranstaltet.Tagungsort ist der Campus am Universitätsplatz.
Die Vielfalt der in Universitätssammlungen aufbewahrten Objektgruppen bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte, um über Praxen des (Wieder)Instandsetzens nachzudenken. Die Frage, wie Objekte (wieder)instandgesetzt werden können und was mit Objekten in Prozessen der (Wieder)Instandsetzung passiert, lässt sich unter anderem am Beispiel historischer elektronischer Geräte diskutieren. Im Projekt 3ioS werden an der Kustodie der OVGU Magdeburg ehemals in DDR-Krankenhäusern verwendete medizintechnische Geräte so (wieder)instandgesetzt, dass einzelne Funktionen in der interdisziplinären Lehre und Forschung eingebunden werden können. Mit der Reaktivierung historischer Sammlungsobjekte ist die Frage verbunden, ob der Auftrag, universitäres Kulturgut zu bewahren, in erster Linie auf den Substanz- oder Funktionserhalt abzielen sollte. Diese Debatte wurde unter anderem auf der 7. Sammlungstagung in Freiberg geführt. Dort zeigte sich, dass hinsichtlich ganz unterschiedlicher Objekte – z.B. Dampfmaschinen, Saurierknochen und Münzen – von (Wieder)Instandsetzung gesprochen werden kann.1 Daran anknüpfend möchte die 17. Jahrestagung für Universitätssammlungen 2026 Funktion, Substanz und Erhalt unter dem kritischen Begriff der (Wieder)Instandsetzung als modifizierendes Bewahren neu verhandeln.
(Wieder)Instandsetzung betont die Möglichkeit, Objekte in unterschiedlichste aktuelle Anwendungs- oder Forschungszusammenhänge einbinden zu können. Diese generieren objektgeschichtliches aber auch anderes objektbezogenes Wissen, z.B. durch die sinnlich-funktionale Bereicherung des Objekts. Das Konzept orientiert sich in diesem Zusammenhang am Reparieren als „Wandlungsprozess […], der Diskontinuität und Dauer neu konfiguriert, ohne diese Spannung aufzulösen“ und an den performativen „RRR“ Methoden („Reconstruction, Re-enactment, Replication, Reproduction and Re-working“), die explizit lineare Zeitlichkeiten ebenso wie die Unterscheidungen zwischen Original und Kopie hinterfragen.2 Es ist demnach die Produktivität der Lücke, der Unterbrechung zwischen unterschiedlichen – z.B. vergangenen und gegenwärtigen – Funktionsgefügen, die unter dem Begriff der (Wieder)Instandsetzung nutzbar gemacht wird.
Die Jahrestagung möchte sich die Mannigfaltigkeit wissenschaftlicher Sammlungen zu Nutze machen, um Fragen nach dem Erhalt von Funktionen und Praktiken der (Wieder)Instandsetzung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Beispielsweise kann aus einer postkolonialen Perspektive die in Sammlungen überlieferte Funktionalität von Objekten in Frage gestellt werden. Lässt sich die Funktion von im Zuge des Kolonialismus angeeigneten Objekten überhaupt „bewahren“ oder (wieder)instandsetzen, wenn die bewahrende Institution ihren Anwendungsrahmen mitunter ausgelöscht hat?
1 Diese Frage wurde auf der 7. Sammlungstagung an der TU Bergakademie Freiberg und der TU Dresden 2015 verhandelt. Vgl. Meng, Stefan. (2016). „Substanzerhalt vs. Funktionserhalt, Erhalt vs. Nutzung“, in: Zaun, Jörg; Vincenz, Kirsten (Hg.). Zwischen Kellerdepot und Forschungsolymp, Web: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:105-qucosa-213282, S. 40–41.
2 Vgl. Hanstein, Ulrike; Klaut, Manuela; Mangold, Jana. (2022). „Reparaturwissen: DDR. Einleitung in den Schwerpunkt“, Zeitschrift für Medienwissenschaft, Vol. 14, No. 2, S. 10–23, S. 22 u. Dupré, Sven; Harris, Anna; Kursell, Julia; Lulof, Patricia; Stols-Witlox, Maartje. (2021). „Introduction“, in: dies. (Hg.) Reconstruction, Replication and Re-enactment in the Humanities and Social Sciences, Amsterdam: Amsterdam University Press, S. 9–34.